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Vegane Männlein backen

So. Heute backen wir uns etwas Gesellschaft in dieser schweren Zeit! #StayHomeClub

Als Kind war der Tag des St. Martin einer der schönsten im Jahr. In großer Gruppe mit gebastelten Laternen und kleinen Lichtern den dunklen Himmel zu erleuchten, war etwas sehr besonderes für mich. Vor der Nacht habe ich mich schon immer gefürchtet. Ihr mit Licht, Gesang und in Gemeinschaft zu begegnen gab mir Mut und machte Spaß. Außerdem läutete es die Weihnachtszeit ein. Und die war für die kleine Erbse natürlich das Nonplusultra.

Kinder mit Laternen beim St.-Martins-Umzug 1949, Bundesarchiv, Bild 194-0273-36 / Lachmann, Hans / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en, via Wikimedia Commons

Damals wusste ich noch nichts vom heidnischen Ursprung des St. Martin. Uralte Anschauungen und Bräuche konnten sich bis in die heutige Zeit retten und erscheinen nun in einem christlichen Gewand. Hier soll es eigentlich nur um ein Rezept gehen, aber so ganz kann ich mir nicht verkneifen ein bisschen was in den Raum zu werfen: Wer fühlt sich beim Schimmelreiter aka Martin von Tours, dem dutzende Kinder mit Laternen in die Nacht folgen, nicht ein bisschen an die Wilde Jagd, Wodan (siehe dazu auch die Bräuche um Pelzmärtl/Nussmärtl/Waudel) und Frau Holle, die von Kinderseelen begleitet wird, erinnert?

Ein kleineres Stadtsiegel der Stadt Dieburg, das nur 35 mm Durchmesser hat. Es zeigt Martin von Tours. Die Umschrift heißt: SIGILLUM OPPIDI DIEPURG, das heißt Siegel der Stadt Dieburg. Dieses Siegel findet sich auf Urkunden des 17. Jahrhunderts. Gemeinfrei, via Wikimedia Commons | Odin reitet Sleipnir. Lorenz Frølich, Public domain, via Wikimedia Commons

In der Gegend in der ich aufwuchs, werden am 11. November traditionell keine Weckmänner, Martinsmänner oder Stutenkerle gegessen, sondern Martinsgänse. Eigentlich ein Hefegebäck, habe ich mich für mein Rezept aber mit Backpulver versucht und das klappte so erstaunlich gut, dass ich es gerne festhalten und teilen möchte. Meine veganen Weckmänner, Wodansgänse oder wie auch immer man das Gebäck nennen mag, sind zwar süß, aber keinesfalls so süß wie üblicher Plätzchen- oder Kuchenteig. Falls du es zuckriger magst, hau’ noch mehr Zucker auf die Männchen drauf oder rühre ein paar weitere Esslöffel in den Teig. Das Rezept ergibt ungefähr 15 Männchen oder zwei Bleche voll.

Zutaten für etwa 15 Männchen:

  • 400 Gramm Weizenmehl 450
  • 1 Päckchen Backpulver
  • 200 Gramm veganer Quark, zum Beispiel ungesüßter Alpro Skyr
  • 100 Gramm Zucker (und später noch mehr zum Drüberstreuen)
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 1 Prise Salz
  • 2 gestrichene Teelöffel Maisstärke
  • 8 Esslöffel Sonnenblumenöl
  • 6 Esslöffel Pflanzenmilch
  • 2 Esslöffel Sojamehl + Wasser
  • Rosinen

Mehl und Backpulver habe ich in einer extra Schüssel gemischt und erstmal bei Seite gestellt. In einer kleinen Schale habe ich zwei Esslöffel Sojamehl mit so viel Wasser verrührt, dass es vom Flüssigkeitsgehalt etwa einem Ei ähnelt. Ich weiß, super Angabe. Aber das ist ein Gefühlsding, du wirst merken was ich meine. Das Gemisch ist ein guter Ei-Ersatz und dient zur Bindung. In einer dritten sehr großen Schüssel habe ich dann den ganzen Rest, bis auf die Rosinen natürlich, vermischt und nach und nach das Mehl und “das Ei” untergerührt und gut geknetet. Bevor es mit dem Ausstechen losgehen kann, wird erstmal der Ofen vorgeheizt. Bei Umluft sind es 180°C.

Jetzt kommt der spaßige Teil. Der Teig lässt sich auf einer bemehlten Oberfläche und mit einer Teigrolle gut ausrollen. Mit Keksförmchen sollten sich so ungefähr 1 cm dicke Männlein, Gänse, Monde oder was auch immer du gern hast, ausstechen lassen. Aufs Blech gelegt, hab ich jedes Männlein mit Hilfe meines Zeigefingers mit etwas Pflanzenmilch eingerieben. Ja, stell es dir ruhig vor und lach mich aus! Du kannst beim Männlein-Bestreichen ja gerne einen Pinsel nehmen. 😀 Jedenfalls kommt danach noch ordentlich Zucker drüber gestreut und Rosinen an allen Stellen platziert, die dir sinnvoll erscheinen. Und dann kann das erste Blech auch schon ab in den Ofen. Bei 180°C brauchen sie ungefähr 18 Minuten.

Wir lesen uns an dieser Stelle wahrscheinlich spätestens am Weltbratapfeltag wieder. Bis bald und bleib daheim. <3

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